| Reportage zur Veranstaltung "Die USA im Präsidentschaftswahljahr" |
| Geschrieben von: Torsten Behn |
| Freitag, 12. September 2008 um 11:35 Uhr |
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Am 02.09.2008 referierte Prof. Michael Pfau über das Thema "Die USA im Präsidentschaftswahljahr - wie geht es weiter nach Vorwahlen und Nominierungsparteitagen?". Eingeladen hatten das Amerikazentrum und die Friedrich-Naumann-Stiftung. Hier unser ausführlicher Bericht.
Nach zwei kurzen Grußworten hielt Professor Dr. Michael R. Pfau für
die 30 bis 40 Teilnehmer eine einleitende Rede über den amerikanischen
Wahlkampf. Er sprach von einer neuen politischen Atmosphäre, die auf
Obamas Kandidatur und eine aktuelle allgemeine politische
Unzufriedenheit der amerikanischen Bevölkerung zurückzuführen ist.
Beide Kandidaten, also sowohl McCain als auch Obama, haben engere
Beziehungen zum Volk als zu ihren politischen Parteien. Für Obama fängt
der harte Teil des Wahlkampfes erst jetzt, d. h. nach dem
Nominierungskonvent, richtig an. Ein charismatischer Kandidat, also ein
Kandidat, der eine starke und überzeugende persönliche
Anziehungskraft ausstrahlt und eine einfache Message transportiert
(Change!), wird im Laufe seines Wahlkampfes stärker darunter leiden,
politische Pläne präzisieren und schwierige Entscheidungen, die Teile
der Wählerschaft enttäuschen könnten, treffen zu müssen. Obamas
Wahlkampfteam hat als ein Beispiel dafür Joseph Biden, einen älteren
politischen Haudegen, für das Amt des Vizepräsidenten nominiert. Die
Entscheidung sei zwar durchaus nachvollziehbar: Ein erfahrener
Politiker mit außenpolitischer Kompetenz passe gut zu dem weniger
erfahrenen Obama, aber gleichwohl fielen einige begeisterte
Obama-Unterstützer, beispielsweise einige von Professor Pfaus Studenten
in San Diego, aus allen Wolken, als die von der Entscheidung erfuhren.
Der größere Teil von Professor Pfaus Ausführungen ging um die
Konstellation des verbleibenden Wahlkampfes. Hierbei geht es um blaue,
sprich höchstwahrscheinlich demokratische Bundesländer (z. B.
Kalifornien, Wisconsin, New York), rote, d. h. republikanische
Bundesländer (Arizona, Texas, Indiana) und dazu relativ wenige noch
nicht entschiedene Staaten (Florida, Ohio, Minnesota). Das Ziel der
Wahlkampfteams muss es von nun an sein, genügend der noch nicht
entschiedenen Staaten zu gewinnen, um die erforderlichen 270 Wahlmänner
zusammen zu bekommen – hier darf man nicht vergessen, dass im
amerikanischen Wahlsystem ALLE Wahlmänner eines bestimmten Landes dem
Kandidaten, der die meisten Stimmen im Land gewinnt, zugeordnet werden.
Um die Problematik deutlich zu machen, beamte Professor Pfau die
Website 270towin. Man sah eine Darstellung der amerikanischen Länder,
die Zahl der Wahlmänner pro Land und die Ergebnisse der neuesten
Prognosen für jeden Bundesstaat. Deutlich wird, wie die Wahlkampfteams
rechnen müssen, um die nötigen 270 Wahlmänner zu erreichen.
Eine interessante Auswirkung des Systems ist eine höhere Bewertung
der lokalen politischen Interessen. Um ein einzelnes Bundesland zu
gewinnen, kann eine kleine Region oder eine kleine Wählergruppe
innerhalb des Landes ausschlaggebend sein. In der Schlussphase des
Wahlkampfes kann jegliche Politik Lokalpolitik werden. Nach der Rede begann sofort eine schwungvolle Diskussion und hielt sich rege im Gang, bis der Imbiss restlos vertilgt war. |
