Am meisten gelesen
Kontakt
Am Sandtorkai 48
20457 Hamburg
Telefon: (040) 7038 3688
Fax: (040) 4321 8780
Email: info@amerikazentrum.de
| Kulturschock oder doch fast wie Zuhaus? |
| Geschrieben von: Christian Wilbers | |||
| Samstag, 27. September 2008 um 02:04 Uhr | |||
|
Es ist bekanntlich
eine der tragischeren Eigenschaften des Auslandsstudiums, dass man ständig ins
Ausland muss. Und so zwingt auch mich am Ende eines langen Sommers die Pflicht
in den Flieger. Wäre ich gern noch ein wenig länger geblieben? Ja. Freue ich
mich auf das neue Semester? In jedem Fall. Diesen Zwiespalt kennt jeder, der
dem (Be)ruf in die Ferne folgt - allerdings haben die drei übermüdeten
Gestalten, die mich eines Samstag morgens im August zum
Bahnhof begleiteten, den Abschied wirklich nicht leicht gemacht. Dreieinhalb
Monate, ein Sommer, wie im Fluge vergangen. Man trinkt Kaffee mit alten Freunden,
besucht Verwandte, beantwortet Fragen und versucht zu erklären, was genau man
da drüben in diesem merkwürdigen Land eigentlich macht. „Amerikanische
Kulturwissenschaften“, habe ich meist geantwortet, der Einfachheit halber und
weil es ein Gegenstück an vielen deutschen Unis gibt. „Kultur?“, kam häufig
postwendend die Antwort, „sowas haben die Amis doch überhaupt nicht.“ Und so
richtig ironisch war das dann oft auch gar nicht gemeint. Ja, ja, die Kultur. Stolz
der Nation und eines der wenigen Fundamente unserer kollektiven Identität, auf
das wir Deutschen uns noch voller Freude auch international berufen können. Aber
wie sieht es denn eigentlich aus mit dem „kulturellen Leben“ an einer
US-Universität? Muss man sich das vorstellen wie im schlechten Hollywood-Streifen,
mit Bier aus Plastikbechern und wild kreischenden Teenagern, die den Ausbruch
aus den heimischen vier Wänden feiern, als gäbe es kein Morgen?
Eins, Zwei, Drei - Hot Dog
Ganz so schlimm
ist es nicht, auch wenn natürlich wie so oft die filmischen Erwartungen derbe
enttäuscht werden. Das gilt zumindest für das ländlich angesiedelte College of
William and Mary im winzigen Williamsburg, das mit zwei oder drei halbwegs gut
ausgestatteten Kneipen auskommen muss und in dem das Highlight des Freitag
abends – kein Scherz – eine äußerst mäßige Karaoke-Party im Restaurant des
örtlichen Hotels ist. Aber Kultur ist schließlich nicht gleich Party, schon gar
nicht in den USA, wo Alkohol und Nikotin als Schimmelpilze der Gesellschaft
gelten und man stattdessen auf Football, Musik, Kino und andere
ur-amerikanische Höhepunkte setzt. Das muss ja nicht unbedingt schlecht sein,
zumal so ein zünftiges Football-Spiel in einem richtigen Stadion mit Tausenden
Fans auch dann ein echtes Erlebnis sein kann, wenn man keinen Plan hat, was da
auf dem gestreiften Rasen gerade passiert. Leider ist unsere Uni weder bekannt
für seine exquisiten Footballmannschaften noch für seine rauschenden Fanfeste,
ganz im Gegenteil. Zwar gewinnt auch unser Team hin und wieder, die Zuschauer
sind aber meist pünktlich zur zweiten Hälfte in apathischer Lethargie versunken
und vertreiben sich die Zeit damit, Hot Dogs zu mampfen oder darauf zu hoffen,
eines der Gratis-Shirts aus der Shirt-Flinte (Erklärung überflüssig) zu
ergattern.
O. K., Vorurteil
bestätigt, aber man soll ja nicht gleich aufgeben. Schauen wir weiter in
Richtung Musik und Kino und schon zeigt sich ein Silberstreif am dunklen
Horizont. Denn mit dem Geld, das wir Studenten Semester für Semester an die Uni
überweisen, wird neben einem Fitnesscenter und zahlreichen anderen
Sportmöglichkeiten auch ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm aus
Konzerten, Filmvorführungen und beispielsweise Stand Up Comedy geboten. So
durften wir in der letzten Woche etwa den hierzulande sehr bekannten Rob Riggle
bestaunen, seines Zeichens „Korrespondent“ der verkappten Nachrichtensendung
„The Daily Show with Jon Stewart“ (übrigens ein Alumni des College), die in den
USA mittlerweile täglich fast zwei Millionen Zuschauer vor den Fernseher lockt
und just in dieser Woche mit dem Emmy ausgezeichnet wurde. Auch die Konzerte
können sich sehen lassen und wenn abends bei 25 Grad in den Kampusgärten ein
Filmchen anläuft, weiß man zumindest, dass man seine Dólares für die
Unterhaltung gut investiert hat. Der Unterschied zu Deutschland ist natürlich,
dass man hier gar nicht erst gefragt und der Betrag als Teil der
Studiengebühren direkt vom Konto abgebucht wird, während man beim kommerziellen
Sommerkino in der Heimat wenigstens noch sagen kann: „Nein, acht Euro sind mir
heute einfach zu teuer.“.
Böse Zungen
könnten jetzt selbstverständlich argumentieren, dass da kulturell immer noch
einiges zu wünschen übrig bleibt. Wo bleiben Theater, klassische Konzerte und
Museen? Als Antwort gibt’s von mir nur ein beschämtes Räuspern und das
Eingeständnis, dass es zwar sowohl ein hauseigenes Orchester sowie auch eine
angeblich ziemlich herausragende Theatergruppe gibt, die zuletzt „Die Streiche
des Scapin“ von Molière und Brechts „Mutter Courage“ aufführte. Ich
Kulturbanause hatte aber immer schon was Besseres vor. Nur – und das vor allem
zu meiner Verteidigung – nur im Museum war ich. Das gilt nämlich als
eines der besten Universitäts-Museen der USA, überzeugte im vergangenen Jahr
mit einer Ausstellung aus den Uffizien in Florenz und präsentiert zur Zeit
astronomische Karten aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Mich hat es
seinerzeit zwar in die heiligen Gemälde verschlagen, weil ich
eingeladen und der Wein exquisit und vor allem umsonst war. Aber die
Bilder waren auch schön. Soweit ich mich erinnern kann...
|

Die Räumlichkeiten des Amerikazentrums Hamburg können Sie für Ihre Veranstaltung mieten. Zur Verfügung steht eine Lobby für Empfänge oder sonstige Events, ein Vortragsraum und ein kleinerer Konferenzraum.
Sie möchten in den USA studieren, ein Praktikum oder ein Schuljahr absolvieren? Unser Studienberater Frank Schoof steht für individuelle Gespräche und telefonische Kurzanfragen zur Verfügung.
TOEFL, TOEIC und GRE. Hier finden Sie die Englischtests und -kurse, mit denen Sie sich optimal auf Ihren Auslands- 
